In „Bock!“-Ausgabe Nummer zwei wird’s unterirdisch … äh: außerirdisch! Medienexperte Thomas „Ufomedia“ Koch verrät aus seiner Erfahrung als Alien wichtige Tipps für den Kontakt mit den grünen, blauen oder gelben Männchen. Der erste Teil der Geschichte steht im Gagazin. Der zweite folgt hier:

Bock_Cover_2.indd… Es gibt ein paar wenige Grundregeln, die du tunlichst beherzigen solltest: Betritt niemals das Raumschiff. Das gilt intergalaktisch als Raumfriedensbruch. Warte geduldig, bis der Alien sein UFO verlässt und auf dich zugeht. Unterbinde bitte Würgegefühle, wenn E.T. optisch nicht deinen Vorstellungen vom süßen, kleinen, grünen Männchen entspricht. Das könnte nämlich als aggressives Verhalten fehlgedeutet werden. Vermeide das Peace-Zeichen. Es gilt auf einigen Welten als Beleidigung. Lass auch das Abspreizen des kleinen Fingers. Es macht dich noch lange nicht zum Alien-Versteher.
Weibliche Erdlinge sollten unter allen Umständen Schreie und Kreischen vermeiden. Die Audiowellen, die sie dabei erzeugen, verursachen bei vielen Alien-Völkern rasende Kopfschmerzen, die sie erstmals überhaupt auf unserer Erde erleben. Du selbst vermeidest dadurch unbeabsichtigte, aber reflexartige Reaktionen seitens des Besuchers, die du bestimmt nicht durchleben willst.
Unterdrücke jeden unbedachten Ausruf. „Wilma, hol die Kinder rein“ ist keine sonderlich freundliche Reaktion. Warte, bis der Alien dich anspricht. Wundere dich nicht, dass du seine Worte in deiner Landessprache im Kopf „hörst“. Das ist lediglich Gedankenübertragung. „Denke“ also einfach zurück. Da du die Befähigung zur Gedankenlenkung nicht beherrschst, kommt beim Gegenüber allerdings alles an, was du gerade denkst. „Das glauben die mir im Art Directors Club nie“ ist jetzt nicht angebracht. Achte also im eigenen Interesse an möglichst positive, vor allem auf einladende Gedanken.
Der Alien – die meisten sind Zwitter – wird dir schon mitteilen, was er von dir erwartet. Er wird ganz sicher nicht sagen: „Take me to your leader!“ Denn da waren sie längst. Er sucht einfach nur Kontakt zur Erdbevölkerung. Vermutlich ist er Student der Exo-Planetologie und versucht, das theoretisch über unseren Planeten Erlernte im Praktikum zu erfahren. Vielleicht will er nur von deiner Wurst probieren. Über unsere Essgewohnheiten sind im All die wildesten Gerüchte im Umlauf. Da die meisten Aliens jedoch Vegetarier sind, ist er eher an deinem Bier interessiert. Gib ihm nur einen kleinen Schluck. Alkohol ist in den unendlichen Weiten des Universums so gut wie unbekannt.
Ein absolutes No-Go sind Fotos, insbesondere Selfies. Lass dein Handy besser in der Tasche. Unsere cell phones sehen einigen außerirdischen Waffen täuschend ähnlich. In der Modellgröße können sie ganze Sonnensysteme zerstören. Fotos sind den außerirdischen Besuchern ohnehin unbekannt, da sie alles, was sie wahrnehmen, fotosynthetisch im Gehirn abspeichern. Dein Besucher wird nicht lange bleiben. Schon die Unruhe, die nur wenige, aufgeregte Nachbarn erzeugen, wird ihn schnell verschrecken. Die Aliens sind zwar – bis auf seltene Ausnahmen – sehr freundliche, extrem friedliebende und zurückhaltende Wesen. Auf ihren interstellaren Reisen sind sie jedoch keinerlei Geräuschen ausgesetzt (du erinnerst dich wage an den Physikunterricht) und ziemlich geräuschempfindlich. Daher landen sie auch meist in entlegenen, wenig bewohnten Gebieten.
Ist das UFO wieder davongeeilt und die erste Aufregung verflogen, ruf bloß nicht die Polizei. Sie wird dir nicht glauben. Erzähle es nicht der Presse, es sei denn, du möchtest tagelang von der Bild-Zeitung belagert werden. Erzähle es am besten überhaupt niemandem. Du würdest deswegen zwar nicht in die Klapsmühle eingeliefert, vermeidest jedoch den Besuch amerikanischer „Agenturen“. Sie fahren in schwarzen SUVs mit stark getönten Scheiben vor und unterziehen dich einem dermaßen eindringlichen Verhör, dass du wünschst, das ganze Ereignis hätte nie stattgefunden.
Behalte das außergewöhnliche Ereignis einfach für dich. Weil das alle machen, erklärt, warum die Abertausend alljährlichen Alienbesuche nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Das wollen unsere Regierungen so. Und so ist es auch mit den Aliens auf höchster Ebene abgestimmt. Die allgemeine Erkenntnis, dass wir nicht allein im Kosmos sind, würde auf unserer geliebten Erde zum sofortigen Kollaps aller Wirtschafts- und Sozialsysteme führen. Zu dem Ergebnis kam eine von der UNESCO durchgeführte Studie. Das will natürlich keiner. So leben wir weiter in friedlichem Einklang mit den Außerirdischen. Eines Tages werden wir bestimmt auch in die intergalaktische Konföderation aufgenommen. Wir müssen dazu lediglich die zahlreichen Bedingungen erfüllen. Doch davon sind wir leider noch sehr, sehr weit entfernt. Das ist ähnlich wie mit den Beitrittsverhandlungen der Türkei mit der EU.
In der Zwischenzeit wirst du Sensationsmeldungen, wonach wir zum wiederholten Mal einen bewohnbaren Planeten im benachbarten Sonnensystem entdeckt haben, mit einem Schmunzeln zur Kenntnis nehmen. Und du wirst froh sein, diesen Artikel gelesen zu haben. Denn du bist vorbereitet.
(Thomas Koch alias „Ashtar“) Illu: Bulo