Kai Diekmann ist Herausgeber von Europas größter und vermutlich auch polarisierendster Tageszeitung. Außerdem Zyniker, Twitterer, latenter Humorist, Egomane und ein Arschloch (wie er sich selbst nennt). Und weil der Zahnärztin-Mann sich gern selbst inszeniert, hat „Bock!“ IHN EINFACH KOMPLETT MACHEN LASSEN und ihn gebeten, selbst für alle Fragen, Antworten und das Foto zu sorgen. Voilà: Kai Diekmann im Selbstgespräch mit Kai Diekmann …

Kai, ich darf Du sagen?
Kai Diekmann: Vielleicht Kai und Sie.

Kai, woher nehmen Sie eigentlich all Ihre guten Ideen?
Diekmann: Was soll ich sagen: Das sprudelt einfach alles nur so aus mir heraus. Es ist mir vor meinen Mitmenschen manchmal regelrecht unangenehm. Sie verstehen schon, man will ja auch niemanden in Verlegenheit bringen.

Wie kamen Sie jetzt auch noch auf die Idee, ein Interview mit sich selbst zu führen?
Diekmann: Nachdem schon mein Böhmermann-Interview deutschlandweit so gut angekommen war, lag es natürlich nahe, hier noch einmal entsprechend nachzulegen. Auf die Idee „Kai Diekmann interviewt Kai Diekmann“ hätte der Bock eigentlich auch mal selbst kommen können. Aber gut, muss ich mich eben von mir aus melden, um seinem lahmen Magazin auf die Beine zu helfen. Man hilft eben, wo man kann. Im Übrigen: Wer ginge härter mit sich ins Verhör als ich mit mir selbst.

Sie sagen es, Kai. Für viele Menschen sind Sie deshalb auch ein so großes Vorbild. Wie erklären Sie sich ganz persönlich das „Phänomen Kai“, Kai?
Diekmann: Ich kenne es gar nicht anders. Ob in Kindergarten, Vor- und Grundschule, später Haupt- und Sonderschule: Schon immer haben meine Mitmenschen zu mir emporgeschaut. Auch die Lehrer. Nicht von ungefähr kommt die Redewendung: „KAIner ist wie du.“ Seit ich bei „BILD“ bin, ist die Schar meiner Fans gar nicht mehr zu überblicken. Dabei bin ich eigentlich ein schlichtes Gemüt. Aber gut, ich sage immer: Man muss der Gesellschaft auch etwas zurückgeben.

Das tun Sie wie kaum ein anderer. Jeden Tag von Ihrem Schreibtisch bei „BILD“ aus.
Diekmann: Ach, bringen Sie mich doch nicht in Verlegenheit! Ich werde schon ganz rot. „BILD“-rot. Aber es stimmt ja: Um mich und mein Tagwerk herum ist eine Anwalts-Industrie entstanden, die nur damit beschäftigt ist, meine Popularität zu verwalten. Oder schauen Sie doch mal ins Internet, all diese Fan-Seiten: Die vielen jungen Leute, zum Beispiel bei diesem „BILDblog“, die für gar kein Geld so viel wertvolle Lebenszeit darauf verwenden, mir für alle Ewigkeit Lorbeerkränze zu flechten.

In der Hauptstadt werden Ihnen Denkmäler errichtet.
Diekmann: Sie spielen auf das Penis-Denkmal am „taz“-Gebäude an …

Richtig. Die ehemalige „taz“-Chefredakteurin weigerte sich, unterhalb Ihres mächtigen Gemächts ihr Fahrrad anzuschließen. Bei asiatischen Touristinnen ist es das Must-see in der Hauptstadt. Sind Sie heimlich schon etwas stolz darauf?
Diekmann: Nicht nur heimlich. Und wer braucht schon den Jakobsweg, wenn er zu sich selbst pilgern kann. Ich bin dann immer ganz weg, wenn ich so vor meinem Ding stehe und denke: Es sind die großen Dinge, die bleiben.

Sie arbeiten Tag und Nacht wie ein Besessener.Wie schaffen Sie es dennoch, so blendend auszusehen?
Diekmann: Ich weiß, ich weiß … Mein Körper ist mein Tempel. Normalerweise sagt man ja: Entweder klug oder schön. Bei mir hat der liebe Gott da eine Ausnahme gemacht. Was für eine Verschwendung eigentlich. Glauben Sie mir, mein gutes Aussehen ist mir völlig wurst. Ich bin ja nicht mal eitel.

Dennoch manchmal Selbstzweifel?
Diekmann: Nächste Frage.

Seit Januar sind Sie Herausgeber von „BILD“: Hätten Sie gern für den Chefredakteur Diekmann gearbeitet?
Diekmann: Das ist eines der wenigen Geschenke, die mir das Leben leider nicht gemacht hat. Aber wenn ich dann sehe, wie vielen Menschen diese kostbare Erfahrung zuteil wurde, macht mich das auch wieder froh. Sie dürfen nicht vergessen: In meiner Redaktion konnte immer jeder machen, was ich will.

Obwohl Sie so überaus erfolgreich sind, bleiben Sie mit beiden Beinen auf dem Boden.
Diekmann: Sie sagen es. Bescheidenheit ist eine Zier. Aber die Reaktionen der Menschen da draußen im Land geben mir ja recht. Ich bin eben immer ein Mann des Volkes geblieben.

Nicht nur des Volkes. Auch die VIPs lieben Sie.
Diekmann: Die Liste ist lang. Wulff, Grönemeyer, Kachelmann. Der Barde Bushido hat mich und unsere besondere Freundschaft besungen. Nicht nur einmal.

Wie ist das für Sie, in einer Welt zu leben, in der Ihnen so gar keiner das Wasser reichen kann?
Diekmann: Es ist einsam. So weit oben. Es gab ja einen, in den ich viel Hoffnung gesetzt hatte. Einen, mit dem ich mich blind verstanden habe. Mit dem ich mich austauschen konnte zu den großen Fragen unserer Zeit. Den Karl Theodor. Aber die Menschen befanden wohl: Es kann nur einen geben.

Lassen Sie uns über Frauen sprechen.
Diekmann lächelt.

Ihre Frau Katja muss sich sehr glücklich schätzen, ihr Leben an Ihrer Seite verbringen zu dürfen.
Diekmann: Das war damals Liebe auf den ersten Blick. Bei ihr, meine ich. Natürlich hält sie es nicht aus, ihr Glück nur für sich allein zu behalten. Sie lässt die ganze Welt teilhaben, ihre Bücher über das Leben mit mir stürmen die Bestseller-Listen.

Sie spielen auf die „Schatzi“-Romane an.
Diekmann: Sehr richtig! Eine verlässliche Chronistin – so wie Goethes Sekretär Eckermann. Sie ist ohne Zweifel eine treue Gefährtin. Das Handy klingelt. Diekmann nimmt mit rotem Kopf ab, leicht hektisch, beißt auf seine Unterlippe: „Natürlich, Katja. Ja, Katja. Natürlich hole ich die Wäsche aus der Reinigung. Bitte entschuldige, dass es noch nicht erledigt ist. Ja, die Rechnung überweise ich auch. Ja, Katja.“ Diekmann: Wo waren wir gleich?

Charisma, tiefgründiger Intellekt, Herzenswärme. Hand aufs Herz: Hat jemand wie Sie auch Fehler?
Diekmann: Raus aus meinem Büro, du Arschloch.